3 Fragen zum faszialen Beckenbodentraining

Das Topthema: Faszientraining Beckenboden- elastisch -kraftvoll – sinnlich
Frage: Warum führt ein rein muskuläres Beckenbodentraining häufig nicht zum gewünschten Erfolg?

Seit einigen Jahren haben die Bewegungswissenschaften die Bedeutung des muskulären Beckenbodens für die Rumpfstabilität und Rückenstärke belegt. Bekannt ist auch, dass dieser zum Beispiel nach einer Prostata Operation oder einer Geburt behutsam wieder aufgebaut werden muss. Bislang war das Training jedoch vorwiegend muskulär statisch ausgerichtet, und die faszialen Strukturen, die eine maßgebliche Rolle für die widerstandsfähige Spannkraft des Beckenbodens spielen, wurden schlichtweg vergessen.
Faszien sind im Beckenboden, allgegenwärtig und in unterschiedlichen Ausprägungen zu finden. Außerdem gibt es Strukturen, die ausschließlich über eine fasziale Vernetzung die gesunde Funktion im Beckenboden garantieren. Im Älterwerden oder durch Bewegungsmangel verändert sich die Struktur der Kollagenfasern jedoch. Diese werden spröde, verkleben miteinander, verfilzen und verlieren dadurch an Spannkraft. Statt eines straff gespannten inneren Trampolins, das Belastungen kraftvoll und elastisch abfedert, wird der Beckenboden im Laufe der Zeit zur ausgeleierten und spröden Hängematte. Muskeltraining hilft hier nur bedingt weiter, denn die Faszien benötigen spezifische Trainingsreize, um ihre Sprungfeder-ähnlichen Fähigkeiten zu bewahren oder zurückzugewinnen.

Frage: ist es möglich den Beckenboden zu sehr zu trainieren? Welche Auswirkungen hat dies?

Der Beckenboden kann durchaus aus dem Lot geraten, wenn er über lange Zeit vorwiegend muskulär kontrahiert wird. Er wird dann möglicherweise zu fest und unbeweglich. Für willkürliche Daueranspannung ist diese Struktur einfach nicht konzipiert, auch die allgemein bekannte Anweisung ‚Anspannen und Aufzugfahren’ ist schlichtweg veraltet. Das kann sogar dazu führen, dass das sensible neuromuskuläre Gleichgewicht aus dem Takt gerät und der Beckenboden seine Fähigkeit verliert unter Belastung reflektorisch, also unwillkürlich anzuspannen. Häufig wird im Training das Loslassen und Nachgeben vernachlässigt.
In Bezug auf die Faszien des Beckenbodens ist es zudem notwendig die konstitutionell unterschiedlichen Bindegewebetypen zu kennen. Beim weichgewebigen Tempeltänzer Typ
neigen die Faszien eher zum Schlaff werden und zum Ausleiern. Da Frauen von Natur aus einen weicheren Beckenboden haben, ist es empfehlenswert achtsam mit Dehnungen in diesem Bereich umzugehen. Da kann eine ausgiebige Yoga oder Dehnpraxis, die Hüftgelenke oder das kräftige Band, wodurch das wichtigstes Rücken-Beckengelenk zugfest verdrahtet wird, schon mal zum schmerzhaften Problem werden, weil das Kollagen regelrecht aus dem Leim geht. Im faszialen Beckenbodentraining stellen wir daher ganz bewusst auch tonisierende und das Kollagen kräftigenden Übungen in den Vordergrund.

Frage: Gibt es Sitzhaltungen, Positionen oder Gewohnheiten die besonders schwächend oder beeinträchtigend für den Beckenboden sind?

Grundsätzlich ist regloses Sitzen auf Sitzmöbeln oder zum Beispiel eine stundenlange Autofahrt, noch dazu mit rundem Rücken, wodurch die Bauchorgane haltlos auf den Beckenboden drücken, schlichtweg schädlich. Der Beckenboden ist für dynamische Belastungen angelegt. Bewegungsarmut und einseitige Dauerbelastung nehmen uns die kollagenen Gewebe besonders übel. ‘Artgerechte’ Beckenboden-Haltungen hingegen wäre zum Beispiel eine Sitzkultur am Boden, bei der immer mal wieder unterschiedliche Bein- und Schneidersitz- oder Hock-Positionen eingenommen werden. Es ist nicht verwunderlich, dass Asiaten oder Inderinnen, die stundenlang am Straßenrand hocken geschmeidige Faszien und bewegliche Hüftgelenke haben.

Frage: Was zeichnet ein modernes, fasziales Beckenboden-Training aus?

Der deutlichste Unterschied zum konventionellen Training liegt in der federnden Dynamik. Weg von statischen Haltepositionen und hin zu abwechslungsreichen Belastungen, um die elastische Widerstandskraft der Beckenbodenfaszien zu steigern. Um das zu erreichen, setzen wir im faszialen Beckenbodentraining gezielt das Federn, Wippen und Springen ein und laden die Sprungfeder-Kapazität der Beckenbodenfaszien gezielt auf. Dafür haben wir eigens einen Gewichtsball und ein Übungsprogramm entwickelt, und wir nutzen zusätzlich explosive Ausatemlaute. Hierbei wird über die Spannung des Zwerchfells und den ‚Powersound’ das körpereigene, kollagene ‚Beckenboden-Trampolin’ stimuliert. Ein willkommener Nebeneffekt: die Übungen sind kraftvoll, machen Spaß und sind ein Gute-Laune-Programm.

2 Comments
  1. admin 7. Oktober 2016 at 2:40 - Reply

    Chère Divo,

    Nach dem Kurs bei Dir ist jetzt an der Zeit, mich bei Dir zu melden und zu bedanken für all die Inputs, die Du mir in Deinem Beckenboden-Seminar gegeben hast und für das, was sie mit mir gemacht haben.
    Ich habe einen über 20 Jahre (!) verchronisierten Mißstand im rechten Hüftgelenk, der von einer Verletzung herrührt. Es macht sich zwar im Alltag nicht bemerkbar, aber die aktive übende Beschäftigung mit diesem Bereich ist zum roten Tuch geworden, da ich nie weiß, ob daraus nicht starke Schmerzen resultieren.
    Ich habe nach der (für mich) recht intensiver Aktivität im sensiblen Bereich überhaupt KEINE Schmerzen, nicht einmal Muskelkäterchen gehabt (doch ein bißchen, aber im Schulterbereich vom Abstützen). Im Gegenteil habe ich mich wohl gefühlt und einen Schimmer von einer Möglichkeit gewittert, eventuell aus dieser Sackgasse herauszukommen.Um es kurz zu machen: Ich bin stolz auf mich, es probiert zu haben und Dir sehr dankbar, mich in die Faszination Faszien geführt zu haben! Merci! Nadine

  2. admin 7. Oktober 2016 at 4:53 - Reply

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